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Zwei Standardwerke zu LaTeX und groff

Eigentlich wollte ich nur einen schönen Text erstellen, oder genauer: gestalten. Ein Skript mit Abbildungen und Grafiken zu einem Thema. So, dass man den Text ausdrucken und in Form eines kleines Buches verteilen kann. Doch womit macht man das heutzutage eigentlich - also mit welcher Software? Mit InDesign bzw. QuarkXPress (kommerziell), LaTeX (kompliziert), Scribus (mir noch ungekannt), groff (vielleicht zu unflexibel), LibreOffice/Word (fühlt sich falsch an)? Ich habe mir die verschiedenen Programme mal angeschaut und resümiere hier etwas.

InDesign und QuarkXPress

Das Programm InDesign scheint so eine Art Goldstandard in der Magazinwelt zu sein. Das will man haben, wenn man professionell Magazine erstellt. Viele Ausgaben der Datenschleuder des CCC wurden sogar damit erstellt. Leider steht aber auch ein hohes Preisschild an der Software, welches ich nicht zahlen wollte. Selbst steinalte Versionen kosten bei Ebay gebraucht immer noch mehrere Hundert Euro. Bei neuen Versionen ist ein Abo in der CreativeCloud von Adobe nötig. Zudem werden leider nur Nischen-Betriebssysteme wie Windows oder MacOS unterstützt.

Eine ähnliche Verbreitung hat QuarkXPress in der professionellen Welt. Wer Adobe nicht nutzt oder andere Gründe vorweisen kann, wird QuarkXPress für seine Dienste nutzen. Ich habe keine Erfahrungen damit und weiß nur, dass es seit 1987(!) regelmäßig neue Versionen gibt und diese zu fürstlichen Preisen um 800 € (bei Aktionen für 400 €) verkauft werden. Sympathisch wird die Software durch die Slogans "cloud-frei" oder "Lebenslange Lizenz - Kein Abonnement", die eindeutig gegen InDesign sticheln.

Scribus

Hinter Scribus verbirgt sich der ambitionierte und begrüßenswerte Versuch, eine OpenSource-Variante von InDesign zu erstellen. Das Programm kann eine ganze Menge und fühlt sich genügend kompliziert an, als dass es viele Möglichkeiten bietet, die ich bei meinen ersten Gehversuchen vielleicht noch nicht kennengelernt habe.

Alles scheint irgendwie möglich zu sein - wenn auch manchmal auf umständlichen Wegen. Dynamische Inhalte wie Inhaltsverzeichnisse oder Kopfzeilen, die sich an aktuellen Abschnitten orientieren, lassen sich nur umständlich oder gar nicht realisieren. Die Software ist jedoch gut abgehangen und wird von einer aktiven Community getragen. Die produzierten PDFs haben die richtigen Farbprofile, die eine Druckerei so haben möchte. Insgesamt also ein schönes Stück Software, das mehr Unterstützung gebrauchen könnte.

groff

So viel möchte ich über dieses steinalte Tool (und damit ist eine durchaus positive Wertung verbunden) hier gar nicht schreiben. Ich habe einen ausführlichen Artikel darüber geschrieben, der demnächst an andere Stelle erscheinen wird. Für diesen Artikel sei aber schon so viel verraten: für technische Berichte ist das Tool mehr als gut geeignet - immerhin ist es auch für die Generierung von man pages unter Linux verantwortlich. Textsatz, der Umgang mit Abbildungen oder ein variabler Textfluss um Abbildungen herum sind definitiv nicht seine Stärken.

LaTeX

Ach ja, das gute alte LaTeX. Viele Textmakros, eine kryptische Syntax, die sich auf deutschen Tastaturlayouts vehement weigert, ins motorische Gedächtnis gebrannt zu werden und irgendwie ist selbst Einfaches viel zu kompliziert. Aber dafür habe ich reinen Text, eine gute Unterstützung für die Arbeit mit mehreren Leuten und viele Pakete, die versprechen, jeden Wunsch zu erfüllen. Ja, es gibt viele Pakete. Und auch viele Dateien. Und irgendwie ist alles viel und groß.

Die Installation verschlingt gigantische 4 GB. Ganz schön viel für ein Programm, das hauptsächlich Text produzieren möchte. Und jedes Paket hat seine eigene Dokumentation. Mit texdoc PAKETNAME findet man diese - wenn man Glück hat. Wenn nicht, hilft ein Blick auf CTAN (Comprehensive TeX Archive Network). Dort versammelt sich ein Berg von umfänglichen Dokumenten. Und davon gibt es wahrlich eine Menge, z.B. zu KOMAScript. Das ist eine Art Ersatz für die gewohnten LaTeX-Klassen article, book, etc. Alleine diese Dokumentation umfasst über 500 Seiten, die gelesen werden wollen. Ein weiteres Beispiel ist das Paket inputenc, welches verspricht, dass man auch UTF8-Zeichen wie deutsche Umlaute eingeben darf. Wieder 45 Seiten, die dieses eigentlich selbstverständliche Detail erklären.

So richtig schick sehen die Dokumente damit am Ende aber nicht aus. Das Schriftbild ist toll und vieles sieht zunächst gut aus. Man merkt aber schnell, dass LaTeX für die Konzeption von längeren Fließtexten und rechteckigen Layouts erstellt wurde. Gerade das Umfließen von Text um Bilder ist nicht seine Stärke und nur mit Klimmzügen möglich.

LibreOffice und Word

Ein einfacher Wordprocessor wie LibreOffice-Writer oder Word (welches aber direkt ausscheidet, da ich Plattformunabhängigkeit mag) kann doch sicher auch schon eine ganze Menge. Und ja, das stimmt schon. Mit Writer sieht ein solches Dokument durchaus schick aus. Man kann viel machen und einfache Layouts gehen leicht von der Hand. Bei der Positionierung von Abbildungen merkt man dann aber doch, dass sich Writer an Zeilen, Zeichen oder Absätzen orientieren mag und nicht so gut mit der freien Platzierung von Grafiken harmoniert.

Gefrickel

Als etwas frickelige Lösung bietet sich ein Stückwerk an, in dem ein Dokument aus Einzelseiten zusammensetzt wird. Jede Einzelseite wird mit dem Programm der Wahl erstellt und das Gesamtdokument wird zum Schluss durch Aneinanderhängen der Einzelseiten konstruiert. Das Aneinanderhängen kann leicht mit pdftk realisiert werden.

Man kann das Dokument noch etwas einheitlicher gestalten, indem zuvor eine Art Musterdokument erstellt wird, das wie eine Folie über alle Seiten gelegt wird. Dieses kann z.B. Seitennummern oder ein Logo enthalten Mit der Operation multistamp von pdftk kann das Musterdokument am Ende auf die Einzelseiten gepresst werden [1].

In Kombination mit Scribus und dem Einfügen von PDF-Seiten als "Bild-Objekte" können auch interessante Gestaltungskonzepte umgesetzt werden, die mehr als zwei Ebenen zulassen.

Mein Fazit

Viele Wege führen nach Rom und leider sind alle steinig. Alle Lösungen haben ihre Berechtigung und damit Vor- und Nachteile. Eine in allem überzeugende Lösung konnte ich daher leider nicht finden. Scribus ist ein würdiges Werkzeug für schönes, unkonventionelles Layout und ist sicher einen Blick wert. LaTeX ist auf der anderen Seite das zuverlässige Pferd im Stall, das häufig muckt, am Ende aber doch konsequent abliefert.


[1]

Eine mögliche Anwendung von pdftk:

pdftk a.pdf b.pdf cat output out.pdf

Dann kann die Musterseite aufgedruckt werden:

pdftk out.pdf multistamp muster.pdf output final.pdf.